Wenig Platz, viel Verkehr: Über Bauen im städtischen Raum

Bauen auf Autobahnen ist herausfordernd. Umso mehr auf stark befahrenen Abschnitten, die mitten in städtischem Gebiet liegen. Einschränkungen für Verkehr und Anwohnende sind unausweichlich, müssen aber auf ein Minimum reduziert werden. Zwei Beispiele aus der Praxis zeigen, wie dies umgesetzt wird.

Damit auf Autobahnen gearbeitet werden kann, braucht es Platz, beispielsweise indem der Pannenstreifen aufgelöst wird, Fahrspuren verschwenkt oder auf die andere Fahrbahn geleitet werden. Manchmal reicht aber auch das nicht. Für gewisse Arbeiten, etwa für den Deckbelagsersatz, ist es je nach den Platzverhältnissen nötig, die Zahl der Fahrspuren zu reduzieren oder die Autobahn zu sperren.

Das Problem: Stehen weniger Fahrspuren zur Verfügung, reicht die Kapazität auf vielbefahrenen Strecken nicht mehr aus. Um Staus zu vermindern, werden solche Arbeiten deshalb grundsätzlich nachts ausgeführt. Daraus resultieren wiederum neue Nachteile: Nachtarbeiten können zu längeren Bauzeiten und höheren Kosten führen. Zudem können sich Beleuchtung und Lärm von der Baustelle störend auf die Anwohnenden auswirken.

Bei der Planung seiner Baustellen muss das ASTRA deshalb den bestmöglichen Kompromiss zwischen kurzer Bauzeit, Kosteneffizienz und geringen Auswirkungen für den Verkehr sowie Anwohnende finden. Besonders herausfordernd ist dies in urbanem Gebiet.

Viel «temporär» und «provisorisch»

Exemplarisch offenbart sich diese Schwierigkeit in Zürich, beim Bau der Einhausung Schwamendingen. Täglich sind bis zu 120’000 Fahrzeuge auf dem Abschnitt zwischen Zürich-Ost und dem Schöneichtunnel unterwegs. Auf dieser Strecke entsteht bis 2024 eine Überdeckung der Autobahn. Die Betonarbeiten zum Bau der Wände und Decke können nicht bei fliessendem Verkehr ausgeführt werden.

Während auf der einen Fahrbahn deshalb die Einhausung gebaut wird, fliesst auf der anderen Seite der Verkehr. Ist die Überdeckung auf der einen Seite fertiggestellt, werden alle vier Fahrspuren durch den neuen Tunnel geführt. Anschliessend wird die zweite Hälfte realisiert. Insgesamt sind für das Projekt Einhausung Schwamendingen inklusive der Sanierung des Schöneichtunnels 10 temporäre Verkehrsphasen notwendig. Dank der komplizierten Abfolge wird gewährleistet, dass tagsüber stets vier Fahrspuren in Betrieb sind.

Die A1L ist eine wichtige Einfallsachse in die Stadt Zürich. Der Abschnitt in Schwamendingen wird zurzeit eingehaust.

Auch abseits der Autobahn wirkt sich die Baustelle auf den Verkehr aus. Unterführungen werden neu gebaut und müssen vorübergehend geschlossen werden. Daher wurden unter anderem provisorische Überführungen erstellt, damit Fussgängerinnen und Velofahrer auf die andere Seite gelangen können. Unter der Autobahn führt weiter ein Tramtunnel hindurch. Die Zugänge zur Haltestelle müssen im Verlauf des Projekts immer wieder umgestaltet werden.

Bleiben die Auswirkungen auf die Anwohnerschaft. Über weite Teile entlang der Baustelle wurden provisorische Lärmschutzelemente erstellt. Sie sollen den Emissionen eindämmen, bis dann – nach Fertigstellung der Einhausung – weder Bau- noch Verkehrslärm von der Autobahn im Quartier zu vernehmen sein werden.

Mehr Informationen zum Projekt Einhausung Schwamendingen: www.einhausung.ch.

Gib dem Stau keine Chance

Ein weiteres aktuelles Beispiel zu Bauen im städtischen Raum betrifft die Sanierung der Stadtautobahn in St.Gallen. Das ASTRA setzt bis voraussichtlich 2027 die A1 zwischen Winkeln und Neudorf instand. Die Stadtautobahn ist die «Hauptschlagader» für den motorisierten Individualverkehr in und um St.Gallen.

Eine leistungsfähige Umfahrungsmöglichkeit der A1 auf dem Stadtgebiet gibt es nicht. Stau auf der Autobahn kann sich daher unmittelbar auf das umliegende Strassennetz auswirken und dieses zur Überlastung bringen. Die Kapazität der A1 soll während der Bauzeit deshalb möglichst hochgehalten werden.

Herausfordernd sind wiederum die engen Platzverhältnisse. Besonders im Abschnitt vom Sitterviadukt bis zur Kreuzbleiche, wo es keinen Pannenstreifen gibt. Für die Instandsetzung muss dort deshalb eine Spur abgebaut werden. Dies auch tagsüber, da es die Bauabläufe nicht zulassen, die Baustelle jeweils erst abends einzurichten und morgens wieder aufzuheben.

Nur nachts: Arbeiten, die Sperrungen und Umleitungen erfordern. Tagsüber muss eine Fahrspur in Richtung St. Margrethen abgebaut werden.

Das ASTRA setzt deshalb zusammen mit dem Kanton und der Stadt St.Gallen Massnahmen um, damit die Auswirkungen auf den Verkehr möglichst gering sind. Dazu zählen eine Dosierung der Autobahneinfahrt in Winkeln (Richtung St.Gallen), dynamische Umleitungen auf dem Stadtgebiet oder der Einsatz von Verkehrsdiensten. Auch der öffentliche Verkehr soll während der Instandsetzung aufrecht und möglichst attraktiv gehalten werden. Unter anderem werden auf mehreren Stadt- und Regionalbuslinien zusätzliche Busse eingesetzt.

Den wichtigsten Beitrag aber können die Verkehrsteilnehmenden selbst leisten. Entscheidend für die Leistungsfähigkeit der Autobahn sind nämlich die Stosszeiten, also die Hauptverkehrszeiten morgens und abends. Als Teil der Massnahmen führt das ASTRA deshalb eine Informationskampagne, die sich an die Verkehrsteilnehmenden richtet. Sie sollen dazu animiert werden, wenn möglich auf Fahrten während der Spitzenzeiten zu verzichten, damit dort eine Verkehrsreduktion um 10 Prozent erreicht werden kann und die Lebensqualität in St.Gallen erhalten bleibt. Denn die Stadt hat Besseres zu tun, als im Stau zu stehen.

Mehr Informationen zur Instandsetzung der Stadtautobahn St.Gallen: www.stadtautobahn.ch.

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