Wenn Bäche zu Murgängen werden: Wie das ASTRA die Nationalstrasse A8 vor Naturgefahren schützt
Bei starken Niederschlägen können kleine Gräben grosse Mengen an Wasser, Geschiebe und Holz transportieren. Mit neuen Schutzbauten bei Därligen am Thunersee verringert das ASTRA das Risiko für die Nationalstrasse A8 und die Bahnstrecke der BLS.
Die Hügelkette des Därliggrats prägt die Landschaft oberhalb der A8 bei Därligen am Thunersee, kurz vor Interlaken (BE). Mehrere Gräben führen von den steilen Hängen Richtung Nationalstrasse und Bahnstrecke. Bei starken Niederschlägen können sie grosse Mengen Wasser, Geschiebe (Gestein vom Gletscher) und Holz mit sich führen. Solche Hochwasser und Murgänge stellen eine Gefahr für Nationalstrasse und Bahnlinie dar.
Insgesamt sind rund 300 Kilometer des Nationalstrassennetzes solchen oder weiteren Naturgefahren ausgesetzt. Das ASTRA investiert deshalb jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag in den Schutz vor Naturgefahren, um die Sicherheit und Verfügbarkeit der Nationalstrasse weiterhin zu gewährleisten.

© David Birri
Auch im Raum Därligen erhöht das ASTRA zurzeit den Schutz vor Naturgefahren. An fünf Standorten entstehen neue oder grössere Geschiebesammler, Sammelbecken und Leitdämme. Zudem werden bestehende Bauwerke angepasst. Ziel ist es, Geschiebe und Wasser möglichst zurückzuhalten und kontrolliert abzuleiten, bevor es die Nationalstrasse oder das Bahntrassee erreicht.
«Jeder Graben hat seine Eigenschaften und spezifischen Gefahren», sagt Projektleiter Simon Wermuth. «Entsprechend müssen wir die Schutzmassnahmen auf die jeweiligen örtlichen Verhältnisse und das Gefahrenpotenzial ausrichten».
Zwei Geschiebesammler fertiggestellt
Nun werden die ersten Ergebnisse sichtbar: Östlich und etwas oberhalb des Rastplatzes Därligen stehen zwei neue Geschiebesammler kurz vor der Fertigstellung. Sie verfügen über Rückhalteräume von rund 1600 beziehungsweise rund 1700 Kubikmetern. Das entspricht ungefähr dem Volumen von zwei Einfamilienhäusern. Sie sind für Ereignisse mit einer Jährlichkeit von 30 bis 100 Jahren ausgelegt und senken das Risiko erheblich, dass grössere Mengen Material in Richtung Nationalstrasse und Bahn gelangen.Staut sich nach einem grösseren Niederschlag Material im Sammler, wird dieser so schnell wie möglich geleert, damit für das nächste Unwetter wieder die volle Kapazität zur Verfügung steht.
Nun folgen die weiteren Massnahmen. Ein bestehendes Sammelbecken wird vergrössert, ein weiterer Geschiebesammler mit einem Rückhalteraum von rund 2’100 m3 erstellt und neue Leitdämme gebaut. Auch ein Aquädukt wird erhöht und die Bachsohle bei einer Forstbrücke abgesenkt. Damit soll das Risiko verringert werden, dass Geschiebe und Holz den Wasserabfluss blockieren.

Zusammenarbeit mit BLS
Das Projekt dient nicht nur dem Schutz der Nationalstrasse. Direkt unterhalb der Strasse verläuft die Bahnlinie der BLS, welche durch die neuen Schutzbauten ebenfalls besser abgesichert ist. Das ASTRA und die BLS haben die Massnahmen deshalb gemeinsam geplant und die Umsetzung abgestimmt.
«Unser Ziel ist eine sichere und verfügbare Nationalstrasse sowie Bahnstrecke», sagt Simon Wermuth. «Diese Schutzbauten sind eine Investition in die langfristige Sicherheit von wichtigen Verkehrsverbindungen in das Berner Oberland und die Infrastruktur».
Die Arbeiten laufen seit Sommer 2025 und sollen Ende 2027 abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten betragen rund 8,5 Millionen Franken.







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