Wie mit grossen Steinen Brücken und Fische geschützt werden

Zwischen Thun-Süd und Spiez sichert das ASTRA mit schweren Steinblöcken die Pfeiler der A6-Brücke sowie das Ufer und die Sohle der Kander. Auch eine neue Blockrampe wurde gebaut. So ist die Brücke langfristig geschützt und Fische können die Stelle wieder gut überwinden.

Dort, wo der Fluss Kander heute in den Thunersee fliesst, wurde mit dem Kanderdurchstich im Jahr 1714 die erste grosse Gewässerkorrektion der Schweiz durchgeführt, welche die Region bis nach Bern auch heute noch prägt. Dreihundert Jahre später überquert die Autobahn A6 zwischen Thun und Spiez auf einer mehr als zwanzig Meter hohen und hundert Meter langen Brücke die damals entstandene Kanderschlucht. Kurz vor der Brücke macht die Kander eine scharfe Rechtskurve. Dadurch entstehen hohe Fliessgeschwindigkeiten, die das Ufer erodieren und die Flusssohle ausspülen, sogenannte Kolke. Langfristig würde dies die Stabilität der Brückenpfeiler gefährden.

Frühere Schutzmassnahmen mit grossen Steinblöcken und alten Eisenbahnschwellen reduzierten zwar Erosion und Strömung, die sogenannte geschlossene Blockrampe führte jedoch zu einem grossen Gefälle, das für viele Fische unüberwindbar war. Im Winter 2025/26 wurden deshalb der Kolkschutz der Brücke sowie die Blockrampe erneuert und den heutigen Anforderungen entsprechend angepasst. «An diesem geschichtsträchtigen Ort etwas Neues entstehen zu lassen, ist eine spezielle Erfahrung», sagt Beat Aeberhard, zuständiger Projektleiter beim ASTRA. «Da wir im Fluss arbeiteten und vor allem die Fische davon profitieren, erfolgten die Arbeiten unter enger Zusammenarbeit mit dem Fischereiinspektorat des Kantons Bern», erläutert er weiter.

Stabilität durch Steinblöcke

Im Bereich der Brückenpfeiler wurden über vier Tonnen schwere Steinblöcke eingebaut, um den hohen Belastungen durch die Strömungen standzuhalten und die Pfeiler zu schützen. Die alte, geschlossene Blockrampe wurde durch eine sogenannte aufgelöste Blockrampe ersetzt. Dabei wurden zwischen vier und fünf Tonnen schwere Steinblöcke in unregelmässiger Anordnung in die Sohle verteilt. Dadurch werden Strömungsspitzen reduziert und die Stabilität der Flusssohle erhöht, was die Blockrampe für viele Fischarten wieder passierbar macht. Zudem wurden in der scharfen Rechtskurve der Kander die Böschungen gesichert und der Flussverlauf leicht angepasst, damit die Kander den Bereich vor der Brücke nicht weiter destabilisiert.

Die Arbeiten mussten zwingend im Winter während der Schonzeit der Forellen erfolgen, weil die Kander im Frühjahr und Sommer zu viel Wasser führt. Da die Kander nur einseitig zugänglich ist, wurde für die Baugeräte ein Übergang auf die andere Seite erstellt. Die Kander wurde ausserdem laufend umgeleitet, damit im Trockenen gearbeitet werden konnte. Dabei galt es, ständig den Wetterbericht im Auge zu behalten, denn bei Regen kann die Kander innert kürzester Zeit stark ansteigen. «Wir mussten die Arbeiten deshalb mehrmals unterbrechen», sagt Beat Aeberhard. «Zum Glück jeweils nur für kurze Zeit, sodass wir den Terminplan einhalten konnten».

Trotz den schwierigen Umständen konnten die Arbeiten, die im November 2025 begannen, Ende März 2026 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Pfeiler der Autobahnbrücke sind nun gut geschützt, die Fische können wieder wandern und Erosion und Sohleneintiefungen wurden reduziert. Gleichzeitig entstanden vielfältige Lebensräume. Die Arbeiten tragen somit nicht nur zum Erhalt der Autobahninfrastruktur bei, sondern liefern auch einen wertvollen ökologischen Beitrag. Aufgrund dieses Mehrwerts werden die Arbeiten durch den Ökofonds der Energie Thun sowie durch den Renaturierungsfonds des Kantons Bern mit Beiträgen mitfinanziert.

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