Daten nutzen. Infrastruktur stärken.
Wie digitale Technologien Planung, Betrieb und Verkehrssteuerung beim ASTRA verändern, erklärt Andreas Biedermann, Abteilungschef Digital Services des ASTRA, im Interview. Ein Gespräch über KI, Verkehrslenkung, BIM, RIMA und sichere Strassen.
Lieber Andreas, das Verkehrsmanagement ist eine Kernaufgabe des ASTRA, die weiter an Bedeutung gewinnen wird. Hier setzt die Fachapplikation «Verkehrslenkung Schweiz» an. Kannst du ausführen, was sie genau kann und wo du den grössten Nutzen siehst?
Der grösste Nutzen liegt für mich bei den Verkehrsteilnehmenden. Die Verkehrsbelastung steigt, deshalb müssen wir die bestehende Infrastruktur intelligenter nutzen. Mit «Verkehrslenkung Schweiz» vernetzen und steuern wir Verkehrsmanagementanlagen, etwa zur Geschwindigkeitsharmonisierung und Gefahrenwarnung, schweizweit koordiniert. Ziel ist es, den Verkehrsfluss zu stabilisieren, Kapazitäten besser auszunutzen und Staus möglichst entgegenzuwirken. Für Pendlerinnen und Pendler sowie für Unternehmen bedeutet dies mehr Planungssicherheit und weniger Zeitverlust.

„Mit «Verkehrslenkung Schweiz» vernetzen und steuern wir Verkehrsmanagementanlagen, etwa zur Geschwindigkeitsharmonisierung und Gefahrenwarnung, schweizweit koordiniert.“
Digitale Plattformen und Methoden gewinnen auch bei der Projektplanung und dem Unterhalt stark an Bedeutung. Mit RIMA (Road Infrastructure Management ASTRA) bündeln wir Infrastrukturdaten, bspw. zu Tunneln oder Brücken und planen Unterhaltsmassnahmen gezielt. Mit BIM (Building Information Modeling) entstehen digitale Bauwerksmodelle. Welche Bedeutung haben RIMA und BIM für unsere Infrastruktur?
BIM und RIMA sind für mich zentrale Bausteine eines durchgängigen digitalen Lebenszyklus. Wir erstellen in der Planung strukturierte digitale Modelle der Bauprojekte und verwenden deren Daten im Betrieb und in der Unterhaltsplanung weiter. Sanierungen lassen sich dadurch vorausschauender planen, Investitionen gezielter priorisieren und Mittel effizienter einsetzen. Für die Bevölkerung bedeutet das mehr Verlässlichkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern. Für unsere Mitarbeitenden heisst das konsistente und nutzbare Daten.

Mit BIM (Building Information Modeling) entstehen digitale Bauwerksmodelle. Bild: Emch+Berger AG, Bern
Du erwähnst die ASTRA Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Welche Wichtigkeit misst du dem internen Know-how bei?
Internes Know-how ist entscheidend. Nur wenn wir verstehen, wie Daten entstehen, strukturiert und langfristig genutzt werden, behalten wir die Steuerungsfähigkeit. Datenqualität, Standards und Prozesse müssen wir selbst definieren und weiterentwickeln können. Digitalisierung heisst für mich deshalb nicht nur neue Tools einzuführen, sondern gezielt Kompetenzen aufzubauen.
Bleiben wir bei den Mitarbeitenden. KI verändert unsere Arbeit. Wo siehst du für die Mitarbeitenden des ASTRA den grössten Nutzen?
Ich sehe KI als unterstützendes Werkzeug. Recherchen oder erste Auswertungen lassen sich effizienter durchführen und Informationen schneller strukturieren. Das ist ein wichtiger Treiber: Wir können unsere Kompetenzen dort einsetzen, wo sie den grössten Mehrwert schaffen. Gleichzeitig ist für mich klar: KI ersetzt keine Verantwortung. Entscheidungen bleiben beim Menschen. Vertrauen ist für eine Bundesbehörde zentral. Deshalb müssen wir die richtigen Voraussetzungen schaffen: eine robuste technische Infrastruktur, klare Leitplanken für den Einsatz, Sensibilisierung und Schulung.
Du bist jetzt seit knapp vier Monaten beim ASTRA. Was hat dich bisher am meisten beeindruckt?
Mich beeindruckt, wie stark der Nutzerfokus verankert ist. Digitalisierung wird nicht als reines IT-Thema verstanden, sondern als gemeinsamer Hebel, um konkrete Verbesserungen für die Öffentlichkeit zu erzielen. Was mir ebenso klar geworden ist: Digitalisierung funktioniert nur gemeinsam. Viele unserer Aufgaben liegen an Schnittstellen – zwischen Fachbereichen, zwischen der ASTRA-Zentrale und den Aussenstellen, zwischen Bund, anderen Ämtern, Kantonen und weiteren Partnern. Wenn wir digitale Lösungen entwickeln, müssen wir diese organisationsübergreifend denken.
Vielen Dank, Andreas, für deine spannenden Einschätzungen und Ausblicke zu den vielfältigen Digitalisierungsthemen, die das ASTRA bewegen.
Andreas Biedermann ist seit dem 1. November 2025 Abteilungschef Digital Services beim ASTRA. Von 2018 bis 2025 war er bei der PostAuto als Leiter Digitalisierung & Services sowie als Mitglied der Geschäftsleitung tätig.
Zuvor hatte er verschiedene Funktionen bei der BLS AG und der Ammann Group inne. Der diplomierte Betriebs- und Produktionsingenieur hat an der ETH Zürich doktoriert und seine Kompetenzen in den Bereichen Digitale Transformation und ICT-Management durch diverse Weiterbildungen gezielt erweitert.








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