Das Eiswehr der Sihl

Das einzige Eiswehr der Schweiz schützt die Sihlhochstrasse vor treibendem Eis. Dabei werden nicht nur Schäden an der Brücke verhindert, sondern auch die Zürcher Innenstadt vor allfälliger Überschwemmung bewahrt.

Wer an der Gänziloobrücke 1 in Brunau, Wollishofen vorbeikommt, ahnt kaum, dass hier ein schweizweit einzigartiges Bauwerk über die Sihl ragt: das einzige Eiswehr des Landes und der südlichste Eisschutz dieser Art in Europa. In Folge der Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA) 2008 wechselten die Eigentumsrechte der Nationalstrassen zum ASTRA über und mit ihnen auch deren relevante Infrastrukturen. So auch das Eiswehr.

Gebaut wurde das Wehr 1968, um die weiter flussabwärts liegende Sihlhochstrasse zu schützen. Diese war einst Teil des sogenannten «Ypsilon», ein Verkehrsplanungsprojekt aus seiner Zeit in Zürich, das eine städtische Expressstrasse zwischen der A1 und der A3 vorsah. Auch wenn dieses Vorhaben nur teilweise realisiert wurde, blieb der Schutz der bestehenden Bauwerke – allen voran die Tragpfeiler der Sihlhochstrasse – zentral.

Die Aufgabe des Wehrs besteht darin, treibende Eisschollen auf der Sihl zurückzuhalten, damit diese sich nicht an den Brückenpfeilern der Gänziloobrücke stauen und die Stabilität der Brücke gefährden. Denn ein Eisstau könnte nicht nur die Sihlhochstrasse beeinträchtigen, sondern sich bis zur Sihl-Unterquerung beim Bahnhof fortsetzen. Dadurch könnten sich potenziell gefährliche Verklausungen bilden, die wiederum schwerwiegende Überschwemmungen in der Innenstadt auslösen könnten.

Zwar wirken grosse Mengen von treibenden Eisschollen in der Sihl nach den vergangenen milden Wintern eher unwahrscheinlich. Ausschliessen lässt sich ein solches Naturereignis jedoch nicht. Für diesen Fall lassen sich die zweiteiligen Schützen des Wehres individuell einstellen und können hydraulisch gehoben oder gesenkt werden: Die obere Schütze staut die schwimmenden Eisschollen, während darunter eine kontrollierte Wassermenge durchfliesst.

Neben Eis hält das Wehr auch anderes zurück, beispielsweise Schwemmholz oder Geröll bei Hochwasser. Im Ernstfall können auch treibende Schadstoffe zurückgehalten werden, etwa wenn nach einem Unfall auf der nahegelegenen Autobahn 3 Schadstoffe ins Wasser gelangen oder im Falle eines Schiffsunfalls. Das angesammelte Material wird mindestens einmal im Jahr entfernt.

Ob das Eiswehr seinen vollen Zweck wieder einmal erfüllen muss, bleibt offen. Sicher ist: Das Tiefbauamt des Kantons Zürich hält die Anlage in gutem Zustand und ist jederzeit einsatzbereit.

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