Wenn Sekunden zählen
Moderne GHGW-Anlagen können mehr als nur temporär die Höchstgeschwindigkeit anzupassen und vor Gefahren wie Stau, Unfall oder Glatteis zu warnen. Sie erkennen eigenständig Falschfahrer, warnen innert Sekunden den Verkehr und alarmieren die Polizei – ein Gewinn für die Sicherheit.
Wer auf der Autobahn unterwegs ist, kennt sie: Temporäre Geschwindigkeitsreduktionen bei dichtem Verkehr. Sie verbessern den Verkehrsfluss und senken das Unfallrisiko. Doch die sogenannten GHGW-Anlagen können nicht nur Geschwindigkeitsharmonisierung (GH), sondern auch Gefahrenwarnung (GW). Bei Gefahren wie Stau, Unfall oder Glatteis werden die Verkehrsteilnehmenden frühzeitig gewarnt und ihre Aufmerksamkeit auf die Situation gelenkt. Eine der grössten Gefahren auf Autobahnen sind Falschfahrer. Unfälle aufgrund von Falschfahrern sind zwar relativ selten, haben jedoch häufig schwerwiegende Folgen. Da Falschfahrer für andere Verkehrsteilnehmende unerwartet erscheinen, bleibt oft kaum Reaktionszeit. Umso entscheidender ist es, Falschfahrer möglichst früh zu erkennen und alle Verkehrsteilnehmenden sofort zu warnen. Genau hier setzen die GHGW-Anlagen an. Für die Geschwindigkeitsharmonisierung messen Sensoren die gefahrenen Geschwindigkeiten. Fährt ein Fahrzeug in die andere Richtung, wird das von den Sensoren als negative Geschwindigkeit registriert. Genau diese Eigenschaft wird genutzt, um Falschfahrer zu erkennen.
Auslösen der Warnung
Registriert ein Sensor eine gewisse negative Geschwindigkeit, erhält die Verkehrsmanagementzentrale des ASTRA eine Meldung und die Videobilder des betroffenen Strassenabschnitts werden aufgeschaltet. Als Wiederholung beim auslösenden Sensor und als Livebild beim folgenden Sensor. Das Gleiche geschieht bei der Einsatzzentrale der Polizei. Registriert ein zweiter Sensor innerhalb eines definierten Zeitabschnitts ebenfalls eine negative Geschwindigkeit, wird automatisch die Geschwindigkeit reduziert und ein Gefahrensignal aufgeschaltet. Ziel ist es, den Verkehr sofort zu verlangsamen und den Lenkerinnen und Lenkern Zeit zu geben, auf die Gefahr zu reagieren. Registrieren weitere Sensoren eine negative Geschwindigkeit, werden Temporeduktion und Gefahrensignal auf nachfolgende Signale und folglich weitere Streckenabschnitte ausgeweitet. Die Polizei rückt aus und erst nach ihrer Bestätigung, dass keine Gefahr mehr besteht, wird die Falschfahrerwarnung manuell zurückgestellt. Da die Sensoren erst ab einer gewissen Mindestgeschwindigkeit ausgelöst werden und die Registrierung durch zwei Sensoren erfolgen muss, lassen sich Fehlalarme – etwa durch tieffliegende Vögel oder rückwärtsfahrende Unterhaltsfahrzeuge – praktisch ausschliessen.
Schweizweiter Einsatz
Erstmals eingesetzt wurde diese Gefahrenwarnung im Jahr 2024 auf der A3 am Zürichsee. In einer ersten Phase wurde die Falschfahrer-Erkennung im Blindbetrieb getestet. Die Erkennung lief also wie normal, es wurden einfach keine Signale geschaltet. So konnte ohne Einfluss auf die Verkehrsteilnehmenden geprüft werden, wie zuverlässig das System funktioniert. Aufgrund der positiven Erfahrungen am Zürichsee soll die Falschfahrer-Warnung schweizweit eingesetzt werden. Zurzeit werden im Kanton Bern die Algorithmen eingespeist, weitere Kantone folgen bald.
Zentrales Instrument der Verkehrssicherheit
GHGW-Anlagen sind damit weit mehr als digitale Tempotafeln. Sie sind ein zentrales Instrument der aktiven Verkehrssicherheit. Indem sie kritische Situationen wie Falschfahrer früh erkennen und alle Beteiligten warnen, leisten sie einen wichtigen Beitrag für sichere Nationalstrassen und somit für alle, die auf ihnen unterwegs sind.






Waymo
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