Aus den Augen, aus dem Sinn
Abfall gehört in die Mülltonne. Das ist eigentlich selbstverständlich. Trotzdem landen jedes Jahr unzählige Tonnen Abfall auf und neben der Autobahn. Die dadurch notwendige Reinigung verschlingt enorme personelle und finanzielle Ressourcen.
Früh am Morgen steht Dominik Roth hinter seinem Einsatzfahrzeug im Werkhof Schafisheim (AG) und befestigt Müllsäcke an tragbaren Ringen, dann legt er die Abfall-Greifzangen bereit. Der 41-jährige Aargauer ist Mitarbeiter der Gebietseinheit NSNW AG, die im Auftrag des ASTRA für den Unterhalt auf den Autobahnen in den Kantonen Aargau, beiden Basel und Solothurn zuständig ist. Sein Auftrag für diesen Tag lautet: Grobreinigung der Autobahn. Eine Arbeit, die in Zweierteams erledigt wird. Mit ihm unterwegs ist der Lernende Janis. Grobreinigung, das bedeutet nichts anderes als «Papierle», also Autobahnabschnitte und Anschlüsse ablaufen und von Hand den weggeworfenen Müll einsammeln.
Seit 15 Jahren arbeitet Dominik Roth bei der NSNW und sorgt dafür, dass die Nationalstrassen der Schweiz unterhalten und sicher befahrbar sind. Seit mehreren Jahren ist er in der Gruppe Reinigung tätig. Deren Hauptaufgaben sind Tunnelreinigungen, das Reinigen der Fahrbahnen und das Unterhalten der Entwässerungssysteme; und eben das Mülleinsammeln.
«In den Ein- und Ausfahrten ist es am schlimmsten. Dort liegt am meisten Abfall», sagt Dominik Roth auf der Fahrt zum Anschluss Spreitenbach (AG). Offenbar gebe es viele Leute, die vor dem Auffahren auf die Autobahn oder wenn sie sie verlassen, noch kurz ihr Fahrzeug entrümpeln – und den Abfall illegal durchs Fenster entsorgen.
Viel Müll trotz regelmässiger Reinigung
Bei der Grobreinigung könnten einige Arbeitsstunden eingespart werden, wenn sich nur alle Autofahrenden an grundlegende Verhaltensregeln halten würden. «Die Grobreinigung ist sicher der frustrierendste Teil meiner Arbeit. An den absoluten «Ghüder»-Hotspots sammelst du an einem Tag Unmengen Abfall, und nur wenige Tage später sieht es wieder aus wie auf einer Müllhalde.»
Nach so vielen Jahren und vielen eigenhändig eingesammelten Tonnen Abfall regt sich Dominik Roth heute nicht mehr über die Verschmutzung entlang der Autobahnen auf. Nachdenklich stimmt es den Familienvater aber nach wie vor und oft: «Es ist zwar die Autobahn. Aber es ist und bleibt unser schönes Land, und dieses sollte uns allen am Herzen liegen. Es geht letztlich auch darum, welche Vorbilder wir unseren Kindern sind und welchen Lebensraum wir ihnen hinterlassen.»
Sechs 110-Liter-Säcke haben Dominik Roth und sein Begleiter Janis an einem Vormittag bei den Anschlüssen in Spreitenbach und Wettingen-Ost eingesammelt. Am Nachmittag kamen noch einmal sechs Säcke dazu. Eine erschreckende Bilanz, wenn man bedenkt, dass beide Anschlüsse vor zwei Monaten bereits einmal gereinigt wurden. Der grosse «Frühlingsputz», bei dem neben den Anschlüssen auch die Strecke gereinigt wird, dauert jedes Jahr nach der Winterdienstsaison drei Wochen (siehe Kasten). Danach müssen diese Arbeiten abgeschlossen sein, weil die jährlichen Tunnelreinigungen anstehen, für die das gesamte Personal gebraucht wird.
Bereits kurz darauf wird Dominik Roth am Morgen wieder hinter seinem Fahrzeug stehen und Abfallsäcke vorbereiten. Denn kaum sind die Tunnel sauber, liegt entlang der Strecken schon wieder genug Abfall für die nächste grosse Reinigung.







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