Basel: Die Quadratur des Kreises

Die Osttangente in Basel ist das nördliche Eingangstor der Nord-Süd-Achse durch die Schweiz. Aufgrund ihrer Beschaffenheit ist sie ein neuralgischer Flaschenhals, bei dem es sogar im Normalbetrieb laufend zu Stausituationen kommt. Wie jeder andere Autobahnabschnitt muss aber auch die Osttangente einmal saniert werden. Eine Challenge auf höchstem Niveau für alle Beteiligten.

Die Osttangente Basel umfasst auf nur gerade sechs Kilometern Länge eine Überdeckung, zwei Verzweigungen, drei Tunnel, mehrere Unterführungen, sieben Anschlüsse und mehr als zehn Brücken. Diese Voraussetzungen machen die Sanierung des Abschnitts punkto Planung und Ausführung zu einem der komplexesten Erhaltungsprojekte auf dem Netz der Schweizer Nationalstrassen. Denn wie bei jedem anderen Bauprojekt gilt auch für die Osttangente: saniert wird unter Verkehr am Tag, wenn möglich mit der gleichen Anzahl an Spuren, die den Autofahrenden auch im Normalbetrieb zur Verfügung stehen, und auf engsten Platzverhältnissen.

Operation am offenen Herzen

Im Vergleich mit Baustellen auf offener Strecke kommt in Basel ein weiterer Faktor hinzu, der den Schwierigkeitsgrad des Bauprojekts erhöht. Die Osttangente verläuft entwicklungsbedingt nicht mehr an der östlichen Peripherie des Siedlungsgebiets, wie ihr Name vermuten lässt. Sie führt heute mitten durch das Herz der Stadt Basel. Ausweich- und Schleichverkehr, Licht- und vor allem Lärmimmissionen der Baustelle wirken sich deshalb viel unmittelbarer auf die Bevölkerung aus.

Projektleitung und ausführende Baufirmen stehen somit nicht nur vor der Herausforderung, unter engsten Bedingungen zu arbeiten und dabei einen guten Verkehrsfluss zu gewährleisten; sie müssen darüber hinaus die Stadt und die Bevölkerung möglichst vor Ausweichverkehr und Baulärm schützen. Das Endresultat, also die sanierte Autobahn, muss zudem eine hohe Qualität aufweisen, damit dieser wichtige Abschnitt so lange wie möglich ohne grössere Arbeiten betrieben werden kann.

Enge Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Institutionen

Ein spezielles Augenmerk legte die Projektleitung aufgrund der engen Verflechtungen mit Kanton und Stadt auf den regelmässigen Austausch aller Stakeholder im Umfeld der Arbeiten. Dafür wurde eine Task Force ins Leben gerufen. Diese trifft sich regelmässig und ist seit Beginn der Bauarbeiten stetig gewachsen. So sind heute neben gängigen Stakeholdern wie der Kantonspolizei oder den Tiefbauämtern beider Basel auch Institutionen wie die Basler Verkehrsbetriebe (BVB), die Industriellen Werke Basel (IWB), die Stadtgärtnerei, das Erziehungsdepartement und weitere kantonale Ämter vertreten. Und ganz wichtig: Die Task Force wird von Verkehrsplanern geleitet, die konstant Daten über die Verkehrsflüsse erheben und auswerten.

Das Hauptziel der Task Force besteht darin, die Bauarbeiten im städtischen Umfeld verträglich zu gestalten, aktiv und vorausschauend. Baustellen der Stadt, des Kantons und der IWB werden koordiniert und allenfalls verschoben, je nachdem, wo auf der Osttangente gerade gearbeitet wird. Dies verhindert eine Kumulation von Baustellen in unmittelbarer Nähe, die im schlimmsten Fall lokal zu einem Verkehrsstillstand mit grossflächigen Auswirkungen führen könnte.

Ein verkehrlicher Balanceakt

Speziell an den Erhaltungsmassnahmen auf der Osttangente ist, dass zwei der wichtigsten Anspruchsgruppen solche sind, welche die Nationalstrasse gar nicht benützen: Anwohnende und der öffentliche Verkehr. Letzterem kommt in der Task Force deshalb eine bedeutende Rolle zu. Die Trams und Busse der BVB sind auf die städtische Strasseninfrastruktur angewiesen. Ist diese wegen Ausweichverkehr überlastet, steht auch der öffentliche Verkehr still. Dutzende Verkehrszählstellen erfassen daher laufend den Verkehr, sowohl auf der Autobahn als auch in der Stadt Basel. Anhand dieser Erhebungen optimiert das ASTRA – zusammen mit seinen Projektpartnern in der Task Force – stetig den Verkehrsfluss und reagiert auf die sich ständig ändernden Bedingungen.

Die grosse Challenge bleibt dem ASTRA noch weitere Jahre erhalten. Es stehen noch mehrere Bauetappen aus und die Sanierung der Osttangente dauert bis ins Jahr 2029. Während dieser Zeit werden die Projektleitung und alle Beteiligten weiterhin das Unmögliche möglich machen müssen: alle Anspruchsgruppen zufriedenzustellen. Die Quadratur des Kreises eben.

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